Autorenlesung mit Hartmut Botsmann

Älterer Mann mit grauen Haaren in dunkler Jacke vor bewölktem Himmel und Meer

FRAUEN – BÜRGERKRIEG – REPRESSION – MALLORCA 1936

Das Buch von Hartmut Botsmann (Edition AV) beleuchtet die Rolle von Frauen im Spanischen Bürgerkrieg aus einer besonderen Perspektive: der Baleareninsel Mallorca.
Es zeigt, wie Frauen im republikanischen Spanien zunehmend sichtbar wurden, sich organisierten und aktiv am Widerstand gegen die faschistischen Kräfte beteiligten – an der Front wie im Hinterland. Gleichzeitig macht das Buch die brutale Repression deutlich, der viele von ihnen unter der Diktatur von Francisco Franco ausgesetzt waren.
Anhand der Ereignisse auf Mallorca wird sichtbar, wie eine gescheiterte republikanische Gegenoffensive und die anschließende Gewaltwelle besonders die Zivilbevölkerung trafen. Botsmann rückt damit die oft übersehenen Erfahrungen von Frauen in den Mittelpunkt und leistet einen wichtigen Beitrag zur Erinnerung an die Opfer der Franco-Diktatur.

Ein Leben zwischen Hamburg und Mallorca – und ein neues Buchprojekt

Vor über 40 Jahren zog Hartmut Botsmann aus einer Hamburger Studenten-WG an die Ostküste Mallorcas. Die ersten Jahre waren nicht ganz einfach, denn als „Guiri“ – so nennen die Mallorquiner Menschen aus dem Norden Europas – ist man nicht überall sofort willkommen. Doch Botsmann hat sich über die Zeit nicht nur eingelebt, sondern ist längst Teil der Inselgesellschaft geworden: mit spanischem Pass, fließendem Spanisch und Katalanisch und einer tiefen Verwurzelung vor Ort.
Mehr als 30 Jahre arbeitete er im Bildungssystem der Balearen, unterrichtete Jugendliche und Erwachsene, war stellvertretender Schulleiter und engagierte sich in der Lehrerfortbildung – in einem Umfeld, in dem Katalanisch die zentrale Sprache ist. Parallel dazu übersetzte er zahlreiche Texte zwischen Deutsch, Spanisch und Katalanisch. Besonders hervorzuheben ist seine Übertragung der mallorquinischen Volksmärchen von Antoni Maria Alcover ins Deutsche, deren Bedeutung für den katalanischen Sprachraum oft mit der der Gebrüder Grimm verglichen wird.
Seit über zehn Jahren widmet sich der studierte Historiker intensiv der Geschichte Mallorcas während des Spanischer Bürgerkriegs und der frühen Jahre des Franco-Regimes. In seinem aktuellen Buch beleuchtet er diese Zeit aus einer besonderen Perspektive und macht bislang wenig bekannte Aspekte der Inselgeschichte sichtbar.
In seiner Veranstaltung gibt Botsmann keine trockene Geschichtsstunde, sondern vermittelt die historischen Ereignisse lebendig und anschaulich – mit Einblicken in den Alltag, die Kultur und den Umgang der Menschen mit ihrer eigenen Geschichte.
Bei der Umsetzung seines Projekts greift der ehemalige Julius-Leber-Schüler auf alte Schnelsener Freundschaften zurück: Nani Schumann übernahm das Lektorat, der Journalist Günter Behling moderiert die Veranstaltung und Buchhändler Sven Freyhofer ist mit einem Büchertisch vor Ort. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, das Buch signieren zu lassen.

 

Große Gruppe von Menschen in grünen Shirts in einem Saal, Banner mit Text auf Balkon       

Von wegen Strand und Sonne: Ein Bild aus dem Schulalltag auf Mallorca. Die so genannte „Grüne Welle“ der Lehrer-Vollversammlung brachte 100.000 Menschen für den Erhalt der katalanischen Sprache im Unterricht auf die Straße. Botsmann koordinierte eine der Arbeitsgruppen dieser Protestbewegung. Drei Wochen lang streikten die Lehrer und erreichten ihr Ziel. Das Thema der Unterrichtssprache ist mit dem Erstarken rechtsradikaler Kräfte wieder aktuell. Bereits Franco hatte den Mallorquinern ihre Sprache verboten und das Spanische verordnet. Rechts im Bild, der Autor.

 

 

Podiumsdiskussion mit vier Personen vor Wand mit historischen Fotos, Publikum im Vordergrund

Eine von Botsmann moderierte Veranstaltung in Manacor. Rechts neben ihm: Der Dramaturg und Historiker Jaume Miró, aus Son Servera, Autor von Theaterstücken wie „Tagebuch einer Milizionärin“. Der Historiker Bartomeu Garí, aus Porreres, Autor relevanter Werke zur Repression auf Mallorca und Koautor der „mapa de fosses“, einem Lageplan der Massengräber Mallorcas, mithilfe dessen Exhumierungen vorgenommen werden. Und der Journalist und Historiker Antoni Tugores, aus Manacor, ein Schwergewicht unter den Autoren, der sich über die Jahre zur wichtigsten beratenden Instanz Hartmut Botsmanns entwickelt hat. U.a. hat Tugores die umfangreichen Exhumierungen am Hinrichtungsort Son Coletes koordiniert.

 

 

Gruppe von Personen steht im Freien vor historischen Gebäuden und Bäumen in einer ReiheEin historischer Moment auf dem Friedhof der Stadt Manacor, Son Coletes, der 1936 zum Hinrichtungsort vieler Verfolgter wurde. Am 20 Oktober 2022 wird der Fund der sterblichen Überreste mehrerer Aktivistinnen des Molinar, einem Stadtteil Palmas, öffentlich bekannt gegeben. Vor Ort, von links nach rechts: Die Stadträtinnen Carme Gomila (Més), Maria Antònia Truyols (PSOE), Núria Hinojosa (PSOE) und Cristina Capó (Més), Bürgermeister Miquel Oliver (Més), Historiker Antoni Tugores, Mitglieder der Erinnerungsorganisation „Col·lectiu Son Coletes“, Autor Hartmut Botsmann und Mitglieder der feministischen Organisation „Dones de Llevant“.

 

 

 

Gruppe von Personen gräbt archäologische Ausgrabung, Zuschauer stehen dahinter, Banner Aranzadi sichtbar Die baskische Gesellschaft Aranzadi unter Leitung des forensischen Anthropologen Francisco Etxeberria Gabilondo und der Anthropologin und Historikerin Lourdes Herrasti bei einer der Exhumierungen auf dem Friedhof des Ortes Porreres. Allein Aranzadi hat in Spanien etwa 500 Massengräber exhumiert. Rund 120 Opfer wurden in Porreres gefunden. Die Anteilnahme der Bevölkerung, darunter Angehörige der vermuteten Opfer, ist enorm. Autor Hartmut Botsmann hat einige dieser Projekte vor Ort begleitet. Gabilondo und Herrasti pflegen es, täglich gegen Abend Vorgehen, Funde und Schlussfolgerungen der Öffentlichkeit direkt zu vermitteln.

 

 

 

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