Los Flamenquitos – Mitreißender Flamenco

Flamenco. Das ist Leidenschaft Spaniens, Gitarren, Rhythmus. Viele denken dabei auch an Folklore, Frauen in Rüschenkleidern, Kastagnetten. Das vorweg: der bunte, folkloristische Teil stand an diesem Abend nicht im Fokus. Da sind sie nun, auf der Bühne des FZS: Los Flamenquitos. Drei Männer mittleren Alters. Würdig, in dunklen Anzügen, einer trägt in der Tradition seiner Roma-Familie ein gepunktetes Halstuch und einen weißen Fedora-Hut. Zwei Gitarren, ein Ensemble von Percussion-Instrumenten. Und schon mit den ersten Klängen der Musik entfaltet sich der Zauber dieser Band. Es ist zu spüren, diese drei Männer leben und lieben den Flamenco. Zelebrieren diese Musik, die ihre Wurzeln in Spanien und in der Gitano-Kultur hat, eine Musik, die jahrhundertealt ist und in der musikalische Einflüsse verschiedenster Kulturen verschmolzen sind. Laut ist es, dynamisch, leidenschaftlich. Das zeichnet den Flamenco aus. Nusret Ismailov, der Begründer von Los Flamenquitos, begeistert mit seinem Rhythmusgefühl. Das bringt er nicht nur an seiner Cajón, dem Klangkasten, den er spielt, zum Ausdruck, sondern auch durch virtuoses Klatschen und atemberaubend schneller rhythmischer Beinarbeit, bei der er mit den Absätzen seiner Schuhe die Bühne als Resonanzboden nutzt und ein wahres Trommelfeuer entfacht. Atemlos verfolgt das Publikum seine Tanzperformance, ist ganz im Bann der Emotionen, die er über die Musik und seine Körpersprache transportiert und teilt. Dazu das perfekt aufeinander abgestimmte Spiel der zwei Gitarristen, Juan Fernández aus Andalusien und Steven Pfeffer, der in der Hamburger Jazz- und Flamencoszene zuhause ist. Fernández trägt mit seinem Gitano-Gesang viel zur Authentizität des Abends bei und begeistert so das Publikum, Pfeffer überrascht und verzaubert, als er für ein Stück das indische Instrument Sitar meisterlich und perfekt in die Flamenco-Rhythmen eingebettet erklingen lässt. Eine große Bandbreite des Flamenco präsentieren die drei Musiker an diesem Abend, von althergebrachtem, traditionellem Flamenco über populäre Klänge der Gipsy Kings, die eine Spielart des Flamenco international in die Charts brachten und damit in aller Welt bekannt gemacht haben, bis hin zu gelungenen Instrumental-Improvisationen, die einen beim Zuhören in die sonnendurchglühte Landschaft Andalusiens entführen. Mann könnte die Augen schließen und ganz in der Musik aufgehen, aber zu faszinierend ist es, den Musikern beim spielen auf die Finger zu sehen, das unglaubliche Tempo und die Präzision, mit der sie die Saiten zum Klingen bringen. Zusammengehalten und getragen vom virtuosen Takt der Cajón, dem rhythmischen Klatschen, das vom Publikum begeistert unterstützt wird, den klappernden Absätzen auf dem Holzfußboden. Ein wirklich gelungenes Konzert, bei dem der Funke zwischen den Musikern auf der Bühne und dem Publikum übergesprungen ist, sich die Leidenschaft des Flamenco auf alle Anwesenden ausgebreitet hat. Man sieht es an den glücklich lächelnden Gesichtern im Publikum, das am Ende des Konzerts geschlossen aufstand und die Los Flamenquitos mit tosendem Applaus würdigte.